Experteninterview: Moderne Lebensmittelkonsumenten

DAS INTERVIEW | Wir haben gefragt: Was macht einen modernen Lebensmittelkonsumenten eigentlich aus? Welche Veränderungen gibt es? Welche Trends lassen sich beobachten?

Frau Mechthild Möllenkamp, unter anderem Expertin für den Lebensmitteleinzelhandel, hat uns unsere Fragen im Interview beantwortet.

Jupiter Software Consulting GmbH

„Frau Möllenkamp, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, an unserem Experteninterview teilzunehmen und gemeinsam mit uns das Thema „moderne Lebensmittelkonsumenten“ zu beleuchten.

Und den Titel Expertin haben Sie sich redlich verdient: Bereits seit 1986 sind Sie in leitenden Positionen im Lebensmitteleinzelhandel tätig und engagieren sich zusätzlich seit vielen Jahren ehrenamtlich in diesem Bereich, sind heute Vizepräsidentin des HDE (Handelsverband Deutschland) sowie Präsidentin des HNB (Handelsverband Niedersachsen-Bremen).

Wie würden Sie selbst Ihren Werdegang bis heute beschreiben?“

Frau Mechthild Möllenkamp

„Na auf jeden Fall mal spannend. Im Rückblick sieht ein Weg immer so gerade aus, aber wenn es passiert, spielen Zufälle und Begegnungen eine vorher nicht planbare Rolle.

Mein Start bei Kaufland kam über so eine zufällige Begegnung zustande und mein späterer Wunsch dann wieder nach Osnabrück zu gehen, war der Liebe geschuldet - und so war es ideal im elterlichen Unternehmen während der Familienphase immer mit zu arbeiten. Zunächst auch ohne die Absicht das Unternehmen einmal zu übernehmen und sogar auszubauen.

Und ins Ehrenamt bin ich gekommen, weil mein Vater um Mitarbeit in einem Gremium des Einzelhandelsverbandes gefragt wurde und absagte mit den Worten: „Ich nicht, aber fragen Sie doch meine Tochter.“

Meine Leidenschaft für Lebensmittel kennt sicher jeder aus dieser Branche, die unheimlich schnell ist. Was morgens an Ware reinkommt, soll abends schon verkauft sein und durch diesen Warendruck ist jeder Tag anders und niemals langweilig. Entscheidungen müssen sehr schnell getroffen werden und da es ständig neue Trends und Innovationen gibt, muss man sehr flexibel sein.

Der Verbraucher ist es ja auch und erwartet von uns eine schnelle Anpassung an seine ständig veränderten Wünsche.“

„Zu den Trends und Innovationen, die Sie angesprochen haben: Was ist für Sie persönlich die größte Veränderung, die Sie bei den Verbrauchern in all Ihren Berufsjahren wahrgenommen haben und zu welchen Anpassungen führt das?“

„Nach vielen Jahren, in denen der Preis die Hauptrolle gespielt hat, gibt es auf einmal ganz viele Ideen zum Thema Ernährung und die Menschen wollen mehr Qualität. Dadurch bekommen andere Gesichtspunkte eine neue Wertigkeit. Esse ich Fleisch und wenn ja, will ich wissen, wie das Tier gelebt hat? Wie wurde ein Produkt hergestellt? Welchen ökologischen Fußabdruck hinterlässt es? Wie ist es verpackt?

Ein gutes Gewissen beim Essen durch biologisch angebaute oder vegane Produkte wird immer wichtiger.“

„Inwieweit haben sich die Ansprüche der Kunden an den Point of Sale geändert? Man hört beispielsweise oft den Begriff "Erlebnismarketing" – wie erleben Sie das?“

„Ja, ich denke, der Kunde von heute sucht im Supermarkt nach Inspiration. Dazu trägt eine angenehme Atmosphäre genauso bei, wie ein umfassendes, oft auch regionales Angebot mit der entsprechenden Präsentation.

Sehr gerne erleben die Kunden auch Abende bei uns im Haus, wo der Produzent, z.B. ein Winzer, selbst sein Produkt vorstellt. Das verbindet Essen und Trinken mit einem Gefühl, einer Geschichte oder einem Erlebnis.“

„Bei welchen Entwicklungen und Trends sehen Sie die Digitalisierung als Initiator? Welche anderen Gründe oder Hintergründe sehen Sie als Auslöser?“

„Gerade in den Bereichen, die zum Thema Gesundheit durch Ernährung gehören, bietet das Internet viele Möglichkeiten der Aufklärung. Influencer können hier sehr viel Positives bewirken. Hier werden Trends gesetzt und diese sind dann der Grund für eine Kaufentscheidung.

Trotzdem ist die Digitalisierung nicht alles. Wir brauchen z.B. unbedingt wieder Kochkurse in den Schulen, damit unsere Kinder praxisnah auf ein gesundes Leben vorbereitet werden. Wir gehen in Grundschulen und da erleben wir, wie Kinder zum ersten Mal einen Kohlrabi schmecken. Das darf so nicht sein.“

„Gibt es etwas, was Sie anderen Unternehmern der Lebensmittelbranche mit auf den Weg geben würden, die nicht so nah am Konsumenten arbeiten, wie Sie es tun? Beispielsweise Lebensmittelproduzenten?“

„Ich würde mir sehr wünschen, dass alle Unternehmen in der Lebensmittelbranche zuerst an das Wohl der Menschen denken. Wir tragen alle dafür eine große Verantwortung. In dem Wort „Lebensmittel“ steckt der Begriff „Leben“ – und Leben zu erhalten und zu schützen, muss die oberste Priorität sein.“

„Da können wir Ihnen wirklich nur zustimmen.

Ein wunderbares Fazit und Schlusswort für dieses Interview. Wir bedanken nochmal recht herzlich für die hervorragende Zusammenarbeit an diesem Thema, Frau Möllenkamp!“

DIESER BEITRAG IST TEIL EINER VISION | Zur vollständigen Vision Digitalisierung in der Lebensmittelbranche

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